Shetland

Wenn man sich die Karte des britischen Königreichs ansieht, dann findet man Shetland ganz weit im Norden, noch nördlicher als die Orkneys. Es sei denn man schaut sich die BBC-Wetterkarte an, denn dann sieht man Shetland gar nicht, das ist nämlich abgeschnitten. Das grenzt schon an „Mobbing“ – wahrscheinlich hat irgendeiner des Shetland folk einen Mitarbeiter des BBC verärgert.

Anreise

 

Auch wenn diese Inselgruppe so fern anmutet, ist sie es in Wahrheit gar nicht. Ein paar kleine Flugzeuge fliegen regelmäßig von Aberdeen nach Sumburgh, das ist der Flughafen ca 40 Fahrminuten von der Hauptstadt Lerwick entfernt. Wer lieber gemütlicher anreist kann das mit Northern Link Ferries machen. Abends betritt man das Schiff, lässt sich die Schlüsselkarte für die Kabine aushändigen oder macht es wie die Einheimischen und legt sich in die Bar, schläft und kommt morgens ausgeschlafen in Lerwick an. Finanziell erschwinglich ist das Ganze dank der Subvention der Regierung auch. Ein Gesetz besagt, dass jede Entfernung, die man zurücklegen will, den gleichen Preis haben muss. Ob man nun Bus fährt oder auf einer Fähre, macht keinen Unterschied. Und so kostet die reine Überfahrt ca. 30 Euro, für 22 Euro bekommt man ein Bett in einer Gemeinschaftskajüte. Aus eigener Erfahrung kann ich die Sleeping Pods nicht empfehlen. Die Idee ist ganz gut, aber schlafen kann man da nicht wirklich; somit kann man sich das Geld sparen.

Unterkunft

Wie überall in Schottland hat man auch hier eine feine Auswahl, vom Luxushotel bis hin zur Camping-Bod ohne Elektrizität gibt es hier für alle Ansprüche und Geldbeutel etwas. Wer gerne seine eigenen vier Wände hat, der soll sich unbedingt die Website der „Fort Charlotte Appartments“ ansehen. Hier wohnt man wunderschön mitten in der Stadt und die Preise sind moderat, denn es wird pro Person berechnet- besser geht es nicht.  Wer normalerweise in Jugendherbergen übernachtet, wird erst mal entsetzt sein, dass hier nur zwei Hostel ausgeschrieben sind: eins in Lerwick und eins auf der Insel Unst. Beide kann ich nur wärmstens empfehlen. Das Hostel in Lerwick ist in einem historischen Haus untergebracht und bietet alle Annehmlichkeiten, die man nach einem erlebnisreichen Tag erwartet. Die Duschen sind für britische Verhältnisse mit fantastischem Druck gesegnet und es gibt neben dem gemütlichen Fernsehzimmer sogar einen Billard-Raum. Mit 62 Betten gehört es eher zu den „Bettenburgen“ unter den Hostel und ich habe gelesen, dass während der Sommermonate viele Schulklassen hier sind. Das Hostel in Unst hatte leider keinen Platz für mich, aber Phil, den ich auf den Äußeren Hebriden getroffen habe, schwärmte in den höchsten Tönen.

Von der zweiten „Budget-Übernachtung“ habe ich leider zu spät erfahren. Auf Shetland gibt es nämlich an einigen wunderschön gelegenen Stellen kleine Camping-Bods. Sie ähneln dem Hütten-System in den Alpen oder auch in Norwegen. An einem zentralen Ort meldet man sich für einen Platz in der jeweiligen Hütte an, bezahlt zwischen 12 und 15 Euro pro Bett und bekommt dann mitgeteilt, wie man zur und in die Unterkunft gelangt. Zu beachten ist hier, dass man Pfundmünzen einschmeißen muss, wenn man Strom will. Drei dieser Bods haben gar keinen, das wird aber auf der Internetseite mehrmals erwähnt. Für mich steht fest, dass ich beim nächsten Aufenthalt in der Hütte übernachten will.

What to do!

Für die Inselgruppe sollte man sich genügend Zeit nehmen, denn es gibt viel zu entdecken: die Geschichte ist „ausgegraben“ und „begehbar“, Natur und Tiere bieten  atemberaubende Vorführungen und auch die Menschen sorgen für musikalische, museale und künstlerische Unterhaltung.

Wenn ich eine Auswahl der Top-Tipps treffen müsste, dann wäre es wohl folgende Attraktionen:

  1. Jarlshof: Hier kann man viel Zeit einplanen, denn hier bewegt man sich von der Steinzeit, über die Wikingerzeit in die Moderne. Im Vergleich zu anderen Ausgrabungen darf man hier noch tatsächlich herumlaufen und in die einzelnen Räume hineinkriechen. Der Audioguide ist sehr zu empfehlen, besser und einfacher kommt man an die historischen Informationen nicht heran.
  2. Der Leuchtturm: Auch für diesen Besuch sollte man viel Zeit einplanen, denn es gibt viel zu sehen. Neben den ganzen Vögeln, die hier nisten und auf Augenhöhe im Wind segeln, kann man sogar manchmal Wale in der Bucht sehen. Die atemberaubende Szenerie lenkt etwas von eigentlichen Highlight ab, die tolle Leuchtturmanlage, die es hier zu besichtigen gibt.
  3. Northmavine – die Landschaft ist unglaublich und die Klippen Eshaness sind wahnsinnig schön.
  4. Der nördlichste Punkt Großbritanniens, der nördlichste Briefkasten, das nördlichste Schwimmbad – auf Unst ist alles ein Superlativum. Die Landschaft ist atemberaubend und wenn man hier einen Tag herumkurvt und einem fast jeder Einheimische zuwinkt, kann man sich vorstellen, wie das Leben hier abläuft. Absolut bezaubernd ist die Geschichte des berühmtesten „bus-shelters“ Großbritanniens.
  5. Lerwick! Ich liebe diese Stadt, schöner kann man meiner Ansicht nicht wohnen. Die historischen Häuser mit ihren „Schiffrutschen“ vermitteln einem fast venezianischen Flair, die Geschäfte sind nicht mit schottischen Souvenirs „made in China“ vollgestopft, sondern bieten regionale Handwerkskunst. Für mich als Kunst- und Kulturfan ist das Marel der herausragende Ort, denn hier gibt es regelmäßig Konzerte, Theateraufführungen und auch zwei Kinosäle. Natürlich muss ich auch noch das Shetland-Museum erwähnen, dass auf zwei Ebenen wunderschön und abwechslungsreich die Geschichte der Inselgruppe präsentiert.
  6. Der Craft-Trail: Als Handarbeitstante kann ich den Besuch der einzelnen Ateliers nur jedem ans Herz legen. Man kommt mit den Einheimischen in Kontakt und erfährt so interessante Dinge über das verwendete Material, das Leben auf der Insel und die Inspirationen.

Das habe ich mir für den nächsten Besuch übrig gelassen:

Was ich aufgrund des Wetters nur sehr bedingt machen konnte und was ich beim nächsten Besuch unbedingt nachholen werde, sind die vielen Wandermöglichkeiten. Das Wetter war traumhaft schön, aber Windstärken zwischen 60 und 100 km/h laden nur bedingt zu längeren Spaziergängen an den Klippen ein. Zudem will ich endlich mal Puffins sehen! Wann mir das wohl gelingen wird?

 

 

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