Was sich ändert….

Es ist das erste Mal, dass ich so lange mit dem Rucksack unterwegs bin.

Die Prioritäten verschieben sich: (lebens)wichtige Dinge, die man als selbstverständlich hingenommen hat, erscheinen nun auch tatsächlich wichtig. Und die wichtigsten Dinge sind, neben Gesundheit natürlich, wärmende Kleidung, ein Dach über dem Kopf und Nahrung!

Kleidung…

… ist ’nur‘ dazu da, um den Körper warm und am Leben zu halten!

Jeden Morgen streife ich mir verschiedene Schichten über, die Kälte, Wind und Regen abweisen. Oben bedeutet das: Merino-Trägershirt, langes Merino-Shirt, Fleece-Pulli, Steppjacke&Windjacken-System, Regenjacke. Unten bedeutet das: warme Socken, Merino-Leggins, Thermo-Wanderhose und Regenhose. Mütze, Schal und Handschuhe sind eh klar. Vergisst man eine Schicht, wird man es früher oder später am Tag bereuen! Gerade die Regensachen sind hier essentiell: Auch ein kurzes Tröpfeln durchweicht einen, weil durch den Wind die Tropfen waagrecht ‚tröpfeln‘. Man ist also von oben bis unten nass.

Gamaschen sind praktisch, wenn man wandert, da die Hose sauber(er). Hier ein Bild wie es aussah, als ich sie am Dienstag vergessen hatte:

…muss nicht abwechslungsreich sein!

Zu Beginn der Reise war es in Ordnung, jeden Tag die gleiche Wanderleggings, Weste und das gleiche T-Shirt anzuziehen. Man sieht auf den Bildern, dass ich jeden Tag das Gleiche trage. Abends Handwäsche, morgens (hoffentlich trocken) schlüpft man wieder rein. Auf den Wanderwegen ist es auch egal, da laufen alle so herum. An den Geruch gewöhnt man sich…irgendwie!

Anders war es, als ich mit Wandern aufhörte und nach York kam! Da bei meiner Wechselwanderhose der Reißverschluss kaputt war, bin ich zuallererst in einen Laden hinein und hab mir eine leichte Jeans und ein Hemd gekauft; etwas Stadt- und Alltagtaugliches – man kann nicht in Wanderleggings durch York laufen! Es war SO schön, mal keine ‚Funktionskleidung‘ zu tragen! In Stirling habe ich mir dann noch eine Winterwanderhose und ein T-Shirt zugelegt.

Das bedeutet, ich habe nun ‚zwei Garnituren‘: etwas für tagsüber zum Entdecken und etwas Stadttaugliches. Meistens hab ich das ‚Entdecker-Outfit‘ an, das Stadttaugliche eher selten. Und es reicht völlig aus! Ich hab mir immer ausgemalt, was Ulli mir bei seinem Besuch mitbringen soll – im Endeffekt hab ich aber festgestellt, dass ich alles habe, was ich BRAUCHE. Auf der Liste wären nur Dinge gestanden, die ich WILL. Und so lagen im Endeffekt nur die Winterjacke und ein warmer Schal im Koffer nach Edinburgh.

…muss farblich nicht passen!

Leben aus dem Rucksack ist anstrengend, da man immer suchen und kruschteln muss. Ich habe etwas ausprobiert, dass super praktisch ist, aber einen buchstäblich zum Clown macht. Alle wichtigen Kleidungsstücke, die ich täglich brauche, sind in unterschiedlichen Farben. Mein Fleece-Pulli ist lila, das Wandershirt türkis, die schwarze Weste hat einen neon-grünes Futter, das Raincover ist neon-gelb, die Regenjacke ist krachend pink, die Wanderhose hat ein violettes Futter, die Wandersocken sind rot, die Gamaschen grau, das Bandana hat ein Blümchenmuster. Die Lebensmittel sind in einem violetten Packsack, die Kleidung in einem grasgrünen. Das Zelt ist hellgrün, Schlafsack auch, die Matte ist dunkelblau. Auf den ersten Blick finde ich genau das, was ich brauche. Fühle ich mich wohl als ‚Farbenclown‘? Das ist egal, es ist sooooo praktisch! Inzwischen habe ich ein Stockholm-Syndrom bezüglich der pinken Regenjacke entwickelt: Trotz ihrer hässlichen Farbe ist sie ein super Begleiter und hält mich immer und überall trocken!!!

Unterkunft…

…muss nicht luxuriös sein!

Was habe ich tolle Unterkünfte gehabt! Mondäne Hotels wie in Lynton, Crackington Haven oder Clovelly. Wunderschöne und gemütliche B&Bs in Portreath, Porlock Weir und Port Isaac. Wahnsinnig nette Hostels in Perranporth, Boscastle und (forever number one) Stornoway!

Das sind Bilder vom Hostel in Bath:

Und was hatte ich für Absteigen in Bude, York und Edinburgh!!!

Im Endeffekt verbringt man nur wenig Zeit in der Herberge. Aber wenn man sich absolut nicht wohlfühlt, macht einem der ganze Aufenthalt keine Freude. Ich habe festgestellt, dass es oft die Leute sind, die eine Unterkunft wohnlich machen. Eine nette B&B-Besitzerin oder nette Mitbewohner im Hostel sind mehr wert als jeder Luxus. ‚Wohlfühlen‘ hat nichts mit materiellen Dingen zu tun! Obwohl ich noch nie ein Luxus-Hotel-Urlauber war, ist das eine wichtige Erkenntnis für mich.

…müssen einigermaßen sauber und sicher!

Die erste Nacht in York war furchtbar. Ausgerechnet dieses Hostel hieß ‚Safe stay‘. Zu meinem labilen gesundheitlichen Zustand kam dazu, dass ich in einem ‚mixed dorm‘ war. Fünf Männer, die offensichtlich länger dort wohnten, und ich. Die Nacht war schrecklich, ich hab kein Auge zugemacht. Das Bad war so dreckig, dass ich es nicht benutzen wollte. Nachdem ich den nächsten Tag wie ein Zombie herumgelaufen bin, hab ich mir ein Herz gefasst und um ein anderes Bett gebeten, in einem Raum, in dem noch mindestens eine weiter Frau untergebracht ist und in dem keine Wäscheleine mit Herrenunterhosen gespannt ist. Es klappte und ich konnte den restlichen Aufenthalt in York genießen. Trotzdem werde ich York immer mit diesem Horror-Hostel verbinden.

In Edinburgh war ich bisher in vielen verschiedenen Unterkünften, manche davon sehr fragwürdig! Die letzte Unterkunft war ein Air B&B, das kein Licht im stinkenden Treppenhaus hatte – ich bin mir nicht sicher, ob das Fluch oder Segen war! Zum Glück hatte ich eine ‚Hiera-Biera‘ (=Stirnlampe), wodurch ich die Wohnung überhaupt finden konnte. Ein weiteres Glück waren meine Mitbewohner😘! Ohne die wäre der Aufenthalt sehr gruslig gewesen.

…muss einen schlafen lassen können!

Nichts ist schlimmer als Wandern nach einer schlechten Nacht! Das geht mal einen Tag lang, aber wenn das länger anhält, ist es ein Graus. Eine Matratze, die einigermaßen in Ordnung ist, wenig Lärm und wenig Licht sind wichtig. Ich hatte 20-Bett-Zimmer in Hostels, in denen ich super geschlafen habe und Einzelzimmer in Hotels mit wenig Schlaf…..man kann es immer erst in der Früh genau sagen!

Essen…

…muss nicht abwechslungsreich sein!

Hummus-Brot mit Tomaten! Das antworte ich, wenn man mich fragt, was ich esse 😄. Nach einer Woche veganer Völlerei in Edinburgh gibt es das seit Sonntag wieder und es schmeckt gut! Das morgendliche Müsli sättigt, Päckchensuppe wärmt abends den Bauch. Mehr braucht man nicht! Wenn man länger an einem Ort ist, rentiert sich auch der Kauf von Sojamilch, Sojajoghurt, veganem Aufstrich und Co. Allerdings muss es aufgebraucht werden, bevor man weiterzieht, denn meistens läuft irgendwas aus 😮.

…ist dennoch nicht nur ‚Mittel zum Zweck‘, sondern durchaus auch COMFORT FOOD!

Seit ich Veganerin bin, fragen mich beispielsweise an Weihnachten viele, ob ich auch ohne Gänsebraten-Völlerei ein schönes Fest haben werde. Diese Frage fand ich seltsam, denn es geht doch um mehr, als nur Essen. Aber jetzt merke ich langsam, dass Essen doch mehr sein kann. Es macht nicht nur satt, sondern vermittelt auch Wohlbefinden. An Weihnachten ist es schön, mit der Familie zusammen typische Gerichte zu essen, die man dann mit Weihnachten verbindet. Für mich riecht beispielsweise Sellerie nach ‚Weihnachten‘, denn den gab es bei uns nur dann in der Gemüse-Minestrone! 😅

Auf Wanderschaft ist es SO toll, wenn man eine schöne Küche zur Verfügung hat, in der man auch Lust zum Kochen hat! Meistens mache ich mir eine Gemüsesuppe aus frischem Gemüse und wenn es mal ‚deftig‘ sein soll, gibt es Linda Mc Cartney-Würstle und Kartoffelpüree 😁 Danach steigt die Laune um ein Vielfaches, im Vergleich zur Tütensuppe. Andere Hostelbewohner strömen in die Küche und man unterhält sich über ‚proper food‘ und ‚proper dishes‘ im Vergleich zu Fast Food, Pot-Noodles und Co. und jeder sagt, dass er das beim Reisen vermisst.

Man merkt eben doch, wie Essen die Lebensqualität ausmacht. Ich freue mich wie Bolle, wenn ein Cafe einen Soja-Latte anbietet, gibt es noch veganen Kuchen dazu, flippe ich aus! Ich hoffe so, dass mein nächstes Hostel besser ist und ich vegane Scones backen kann; das wäre comfort-food deluxe!

Das ist es, mehr braucht man nicht zum ÜberLeben….aber auch nicht weniger 😉

Und ich werde diesen Blog-Eintrag so timen, dass es zeitgleich mit dem ARD ‚Wort zum Sonntag‘ erscheint 😅😆😅😆😅😆😅😆

7 Kommentare zu „Was sich ändert….

  1. Ja, solche Gedankenspiele gingen uns auch durch den Kopf als wir unsere erste Hüttentour in Norwegen gemacht haben. Zum Glück hatten wir im Vorfeld von einem Freund eine perfekte Checkliste bekommen. Trotzdem merkt man erst unterwegs, was man wirklich braucht und was nicht.
    Schönes Blog! Ich wünsch Dir weiter viel Spaß beim Wandern!
    Jörg

    Gefällt 2 Personen

  2. Hallo Britta,
    auch als Wort zum Samstag war der Beitrag interessant zu lesen!
    Ich bewundere dich (und die anderen Veganer) dass ihr euch mit dem ungewissen und oft (für mich gefühlt) spärlichen Speiseplan auf solchen Reisen wohlfühlen könnt. Ich finde ja manchmal mein Vegetarier Dasein schon aufwendig… Und auf den nachmittäglichen Cream Tea verzichten zu müssen, wäre sehr bitter!
    Und an den (trotz Waschen dauerhaft strengen) Geruch von schnelltrocknender Kleidung kann ich mich NICHT gewöhnen. Dagegen kommt mein biodegradable Wilderness Wash nicht an! Letzten Sommer habe ich mir irgendwann ein stark parfümiertes Waschmittel gekauft um endlich was anderes in die Nase zu bekommen 😀😂
    Liebe Grüße!
    Katrin

    Gefällt 2 Personen

    1. Liebe Katrin,
      jaaa der Geruch 😬 Mich stört das die ersten Wochen auch, aber nach 8 Wochen hab ich mich damit abgefunden. Wahrscheinlich sag ich das jetzt so leichtfertig, weil ich gestern alleine eine Ferienwohnung hatte, ALLE meine Kleider gewaschen habe und die jetzt schön gefaltet mit einem Lavendelkissen (aus Clovelly) im Packsack sind? Und ich selbst rieche auch ‚dufte‘ 😀
      Essen geht eigentlich, wenn man selbst kochen kann. Im Supermarkt gibt es so viele Sachen für Veganer! Wenn man im Café isst, bleibt oft nur ein Hummus- oder Avocado-Sandwich. Und da ich das selbst so oft zum Lunch mache, trink ich oft nur was. Ach ja: im Supermarkt gibt es auch vegane Scones und seit Edinburgh trage ich ein Marmeladenglas und ein Dairy-Free-Spread-Becher mit mir herum.😂😁😂😁😂 Verzichten muss man nicht, nur halt eben selber machen 😉
      Viele Wikinger – Grüße,
      Britta

      Gefällt 1 Person

  3. Ja, da hast du vielleicht Recht. Man muss mehr selber machen. Und beim Wandern ist das ja nicht unbedingt in vollem Umfang möglich (mit Zelt für mich auch kräftemäßig, denn eigentlich macht kochen vor dem Zelt ja Spaß – wenn es nicht stürmt und gießt und sowieso nicht geht…). Die Linda McCartney Würstchen habe ich vorletzte Woche das 1. Mal in einem B&B bekommen. Waren ganz lecker und ich habe sie sogar vertragen. Ich vertrage nämlich Soya meistens nicht (ein Grund nicht vegan leben zu wollen).
    Im Cathedral Café in Ely habe ich einen tollen Schokoladenkuchen auf Zucchini-Avocado Basis bekommen. 🍰
    Bin gespannt auf deinen nächsten Bericht!
    Katrin

    Gefällt 1 Person

    1. Eigentlich mag ich nicht viele Ersatzprodukte, aber Linda Mc Cartney hat mich überzeugt. Gestern hatte ich die Pasteten……SUPER LECKER. Und verhältnismäßig billig. In Deutschland zahlt man das Doppelte für vegane Sachen.

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