Shetland – closer than you think

Mit diesem Slogan wirbt Shetland.

Und es stimmt tatsächlich – eigentlich gibt es keinen Grund, es nicht in den Schottland-Roadtrip mitaufzunehmen.

  • Nur einmal schlafen und schon ist man da!

Der Flug von Aberdeen hierher ist nur ein Katzensprung; aber auch für hartnäckige Flugzeugverweigerer wie mich ist es problemlos zu erreichen. In Aberdeen steigt man nach einem Tag Sightseeing einfach in die Nachtfähre.

Und wenn man aufwacht, ist man schon da! Man muss also nicht zwangsläufig einen Reisetag einplanen.

Die 12-stündige Überfahrt ist mit 27£ als Fußgänger vergleichbar billig, ein Bett in der Kabine gibt es ab 22£ aufwärts. Viele liegen aber einfach in der hinteren Bar auf den Sofas oder dem Boden (dort wird nicht ausgeschenkt). 

Man sollte allerdings wissen, dass der Fähre (ähnlich wie der nach Lundy) ein gewisser Ruf voraus geht: Die Wahrscheinlichkeit auf eine ruhige Überfahrt ist zwischen September und Mai verschwindend gering und auch im Sommer kann es schaukeln. Ich bin eigentlich relativ seefest, aber bei der Hinfahrt war ich froh, dass der beste Freund der Welt mir seine ‚Vomex‘-Tabletten überlassen hat. (Die werde ich dann im Januar auch auf die Island-Fähre mitnehmen – deren Ruf ist sogar noch schlimmer!)

  • Ist es noch Schottland oder schon Skandinavien?

Shetland hat ein gespaltenes Verhältnis zu Großbritannien. Die geografiachen Ursprünge des Landes liegen in Island, die soziokulturellen in Skandinavien/Norwegen. Die Wikinger – Tradition wird überall hochgehalten. Auf jedem Ortsschild steht der jeweilige Name auch in Norse und die Bedeutung wird auch genannt. Lerwick heißt beispielsweise ‚Muddy  Bay‘ (Schlammige Bucht).

Das beruht auf Gegenseitigkeit: Wenn man den BBC-Wetterbericht schaut, sieht man das Mainland, die Western Isles, Orkney und die Südspitze von Shetland. Der Rest fehlt einfach! Bisher ist mir das nicht aufgefallen; das ist ‚mobbing‘ 😯

Am liebsten wären die ca. 23.210 Bewohner eigenständig. Aber das liegt wohl in weiter Ferne, die Insel kann sich nicht selbst versorgen. Vor zwei Jahren ist aufgrund von Winterstürmen die Fähre für eine Woche nicht gefahren. Ärgerlich bei der Passagier-Fähre, absoluter Supergau bei der Fracht-Fähre. Die großen Supermärkte hier in Lerwick waren leergefegt. Die Royal Army musste sogar mit Verpflegung einfliegen!!!!
Ich muss sagen, dass ich mich hier eher wie in Skandinavien und Island fühle. In den wenigen Souvenir-Läden findet man weder Dudelsackmusik noch Tartan und Co. (eine gewisse Erholung nach dem Overflow in Edinburgh). Nur Handcraft, regionale Produkte oder Wikinger-Sachen werden den Touristen angeboten. 

  • Die Natur ist atemberaubend

Als Tierbeobachter ist es hier das Paradies. Es gibt Pflanzen, die nur hier wachsen. Und das Meer formte die Landschaft auf beeindruckende Art und Weise. Der Norden Shetlands liegt auf gleicher Höhe wie der Süden Grönlands, allerdings ist das Wetter viel milder, was den Artenreichtum zulässt. Ich werde ganz sicher im Sommer nochmal zum Wandern und Puffin – Schauen kommen. Ganz sicher!!!!!!

  • Das Shetland-folk

Hier paart sich das schottische Gemüt mit nordischer ‚Kühlheit‘, ein ‚cheery‘ Wesen sucht man hier vergebens. Bitte nicht falsch verstehen, die Menschen sind hier überaus freundlich und hilfsbereit! Dennoch sind sie eher abwartend und zurückhaltend. Wenn man beispielsweise einen Laden betritt, wird man begrüßt, es wird gefragt, ob man etwas Spezielles sucht, dann wird man in Ruhe gelassen. Wenn man selbst ein Gespräch beginnt, tauen sie langsam auf und man redet über Gott und die Welt. Auf Unst wurde ich von jedem mit einem Winken begrüßt. Die Dame aus Unst erzählte, dass sie vor 9 Jahren aus Yorkshire hierhergezogen ist. Auf dem Mainland war es schwer für ihre Familie, Anschluss zu finden. Auf Unst sei es leichter, da hier eine RAF-STATION war und die Leute Fremde /Engländer/ Sassenachs gewohnt seien. Emmas Mama ist von Burra, ihr Papa ist aus den Schottischen Borders; nach 38 Jahren Ehe nennen die Leute ihn immer noch nicht beim Vornamen sondern ‚Rosemary ’s husband‘. Emma vermutet, dass sogar niemand weiß, wie er heißt! Um die York – Unst – Dame zu zitieren: ‚It’s easier when you grew up here.‘

  • Gelebte Kultur und Geschichte 

Ähnlich wie in Island ist man stolz auf Kultur und Geschichte, beim Up helly Aa-Fest am letzten Dienstag im Januar laufen die Bewohner als Wikinger in einer Prozession und werden brennende Pfeile auf ein (extra gebautes) Langboot, das dann brennend im Hafen schwimmt. Jeder trägt hier Fair Isle-Muster in Pulli, Mütze, Schal, Handschuhe, Tasche usw. Es wirkt nicht aufgesetzt, es ist hier eben so und gehört dazu.

  • Super Infrastruktur

Hierzu ein kurzes Erlebnis vom ersten Tag. In der Tourist-Info war ein italienisches Pärchen vor mir, die zwei Tage mit Mietwagen planten. Der Mann fragte: ‚Wie sieht es mit Tankstellen aus? In dem Highlands sind wir letzte Woche stehengeblieben, weil das Benzin ausging.‘ Die Antwort der sehr resolute älteren Dame war: ‚WE are here more civilised than the Highlanders!‘ 😊

Das bedeutet, dass es in jeder Siedlung einen Laden gibt, eine Tankstelle, einen Bankautomaten, öffentliche Toiletten und auch ein Schwimmbad (auf allen Inseln gibt es insgesamt sechs Schwimmbäder). Das Kulturzentrum ‚Mareel‘ hat ein tolles und abwechslungsreiches Programm und zwei Kinosäle. Auf die anderen Inseln kommt regelmäßig das ‚rollende Kino‘, ein Laster, der für jeweils eine Woche aktuelle Filme auf abgelegenen Inseln zeigt (auch auf den Hebriden, Orkney usw). Es gibt Theater- und Konzertereihen, auf denen die Künstler durch die Community-Halls tingeln und ihre Aufführung darbieten.

  • Es gibt das beste Cafe der Welt in Lerwick: das Fjara – Cafe

     Dieses Café steht stellvertretend für viele                      Cafes und Restaurants

– Moderne Bauten: Es besitzt eine Glasfront! Man sitzt also im Warmen und kann den Wellen zusehen. Oder den vielen Wasservögeln, die sich hier tummeln. Oder den Robben, die hier regelmäßig vorbeischwimmen und neugierig ihren Kopf aus dem Wasser heben. Wenn man viel Glück hat, sieht man auch Otter und bei wahnsinnig viel Glück auch Orcas. Das ist dann der Moment, wenn auch die Köche aus der Küche ins Café stürmen und staunen, wie mir die Bedienung gerade erzählte. Also wirklich besonders 😉.

– Das Essen hier ist mit regionalen Produkten zubereitet, alles selbstgemacht (sogar das Brot). Gesunde Gerichte stehen auf der Karte. Die Englische Küche ist VIEL besser als ihr Ruf.

– Die Gäste sind gemischt, Einheimische und Touristen (also ich), man fühlt sich sofort wohl. Gerade flirtet ein Shetlander mit mir, ca 80cm groß, Teddy-Ohren-Jacke, der mir mit zahnlosem Lächeln unbedingt seinen Dinosaurier schenken will – Danke😁.

Ich würde sagen, die Gründe überzeugen, dass sich die Reise in den hohen Norden lohnt!😀😊😁

3 Kommentare zu „Shetland – closer than you think

  1. Danke Britta! Das ist noch mal ein toller Überblick und eine gute Zusammenfassung für mich, die ich mich noch nie mit was anderem Schetländischen (sagt man das so???) als der Ponies auseinandergesetzt habe. Ich habe wirklich Lust mal hinzufliegen (bin NICHT so seefest…).
    Liebe Grüße
    Katrin

    Gefällt 1 Person

    1. Die Insel ist eine Reise wert!!!!! Bin total begeistert und überlege gerade, ob ich es hier sogar noch besser als auf den Äußeren Hebriden finde???? Ja, landschaftlich schon 😉
      FLIEGEN! Das Tolle ist, du kannst dann sofort im Auto/Bus die Rollbahn überqueren 😂
      Leider schaukelt mich die Fähre morgen wieder aufs Mainland; aber da wartet mein NTS-Camp auf mich. Darauf freue ich mich jetzt schon seit genau einem Jahr 😃
      Liebe Grüße nach Deutschland,
      Britta

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