Dafür gibt es keinen passenden Titel

TaLüs Ankunftsbild in Falmouth, nach über 300km auf dem SWCP

Heute ist ein blöder Tag. Eigentlich war gestern auch schon ein blöder Tag. Und vorgestern war der allerblödste Tag. Der Grund dafür ist absolut furchtbar und immer noch nicht begreifbar. Die „Welt mit TaLü“ änderte sich zu einer „Welt ohne TaLü“: Obwohl sie sich tapfer gewehrt hat, hatte sie letztendlich gegen den Krebs keine Chance 😢😭😢

Unsere ‚gemeinsame Reise‘

Seit wir uns im Frühjahr vergangenen Jahres bei Facebook über diverse einschlägige Wanderseiten kennengelernt haben, standen wir in täglichem Kontakt. Sie war nicht nur ein unerschöpflicher Quell von England-Informationen (besonders Cornwall!), sondern auch eine Inspiration für meine eigenen Reisen. Viele Dinge hätte ich nie getan, wenn ich nicht das Gefühl gehabt hätte, ihr etwas bieten zu müssen.

Zur Erklärung muss ich anführen, dass sie seit ihrer Rückkehr vom SWCP krank war und fast durchgängig im Krankenhaus lag. Von dort aus verfolgte sie meine Reise und hatte ganz eigene Vorstellungen, was man in diversen Gegenden erlebt haben sollte. Sie checkte die Must-do’s und Veranstaltungspläne und gab Hinweise a là: „Ach ja….da kann man ja sogar im Winter schnorcheln? Das klingt doch super!“ Zudem googelte sie „unnützes Wissen“ und versorgte mich so mit Trivial-Infos zu allen möglichen Themen, die mich immer zum Lachen brachten. Trübsalblasen gab es bei ihr nicht und sie konnte jeder Situation etwas Gutes abgewinnen und die positive Seite sehen. Sogar meinen „Zwangsaufgenthalt“ in Island fand sie spitze.

Profi-Reiseplanerin

Es ging sogar noch einen Schritt weiter: Meinen Aufenthalt in England vor dem Lundy-Camp (in das sie eigentlich mitwollte) plante sie bis ins letzte Detail, mit allen Bus- und Zugverbindungen, gepaart mit Stadtrundgängen und Wanderrouten. So wandelte ich auf ihren Fußstapfen in Bath, Oxford und St. Just. Das von ihr empfohlene Air B&B entsprach bis zur Katze, die während des Fernsehens auf meinem Schoß saß, den Bildern, die sie mir von ihrem Aufenthalt zugeschickt hatte. Zum Glück hat sie mich auf viele Details hingewiesen, die ich ohne sie wahrscheinlich übersehen hätte bzw. nicht so viel Bedeutung beigemessen hätte. Die Tafel im Museum von Minack-Theatre zum Beispiel, auf der es um das außergewöhnliche Leben der Erbauerin geht, das „Union-Jack-Haus“, das man vom Zug aus sieht, wenn man in Falmouth aus dem Bahnhof heraus und über die hohe Brücke fährt oder auch der Hinweis auf die Doppeldecker-Busse, die in Südcornwall verkehren. Leider mussten wir unseren geplanten London-Aufenthalt Mitte April absagen, denn das wäre zu diesem Zeitpunkt undenkbar gewesen. Ich bin mir sicher, dass ich bei meinen vielen London-Besuchen die besten Sachen erst mit ihr entdeckt hätte!

Um sie von ihrer Situation abzulenken habe ich alltägliche Dinge fotografiert, um sie mit ihr zu diskutieren. Unsere letzten Nachrichten gingen um einen Einhorn-Cocktail, den ich hier in Göhren in einer Bar entdeckt habe. Sie liebte Einhörner! Seit ich unterwegs war, habe ich viele Einhorn-Fotos geschossen und ihr diese geschickt. Natürlich reichte hier ein Foto der Getränkekarte nicht aus, das Ding musste auch verkostet werden. Der auf der Karte angekündigte Feenstaub war hier wirklich das „Icing“ auf der „Torte“.

Mit zwei Sachen war ich leider zu spät dran und das möchte ich hier noch nachholen.

Meine Uhr hängt!

Manche sagen jetzt: Schöne Uhr. Einige sagen: Schöne Uhr. Oh, der Paddington-Station ist in London, oder? Passt ja zu deinem GB-Fimmel! Nur TaLü hätte gesagt: Schöne Uhr! Bester Bahnhof in London! Von Paddington aus fährt fast den ganzen Tag ein Direkt-Zug nach Penzance. Von 10.03 bis 19.03 Uhr geht er stündlich und er braucht auch nur wenig über 5 Stunden. Über Trainline bekommst du die günstigsten Tickets und gönn dir auch mal was: Die erste Klasse ist toll!!!! Denk daran, dass du dich vor dem Boarden mit Leckereien von Pret-a-Manger eindeckst. Und setz dich ja in Fahrtrichtung auf die linke Seite, von dort aus hast du die allerbesten Blicke aufs Meer! Schick mir ein Foto vom Union-Jack-Haus, hier sind meine Bilder der letzten Jahre:

Ich habe endlich kratzen dürfen!

Vergangenes Jahr habe ich von meiner Schwester und ihrer Familie diese tolle „Scratch-Karte“ von den britischen Inseln bekommen. Da der Umzug schon damals in der Planung war, habe ich dem Tag entgegengefiebert, an dem die Karte endlich hängt und ich nach dem Sabbat-Jahr alles freikratzen darf, was ich bereist habe. So schaut das Ding nun aus:

Ich bin mir sicher, dass TaLü sofort eine Reihenfolge mit Gegenden gemacht hätte, die ich als Nächstes bereisen und freikratzen sollte. Natürlich hätte ich als Erstes den SWCP nach Poole laufen müssen/sollen/dürfen. Vermutlich wären ihr auch die ungekratzten Cotswolds ein Dorn im Auge gewesen. Die standen ganz oben auf meiner/ihrer Liste für die 10 Tage nach Lundy. Aufgrund des Vorstellungstermins auf Rügen musste ich diese Tour leider absagen und kurzfristig nach Deutschland reisen.

Wer nochmal nachlesen will, was sie alles auf dem SWCP erlebt hat, kann das auf ihrem Blog http://www.taluewalks.com nachlesen!

https://taluewalks.blog/2017/09/19/tag-2-porlock-weir-lynmouth-22km/

Liebe TaLü, ich bin mir sicher, dass der Himmel wie Cornwall aussieht! Du wirst mir wahnsinnig fehlen!

19 Kommentare zu „Dafür gibt es keinen passenden Titel

  1. Um Himmels Willen! Das ist ja furchtbar! Wir haben TaLü ja noch kurz auf dem SWCP persönlich getroffen, du hattest das ja so nett eingefädelt. Danach hat sie unsere weitere Reise immer wieder mal kommentiert. Sie war witzig, geistreich, anteilnehmend und eine unserer ersten Kontakte hier auf WordPress, noch bei unserer letzten Tour im Mai war sie dabei! Wir haben auch bei dir gelesen, dass du regelmäßig mit ihr in Kontakt standest und haben uns schon gewundert, warum ihr nicht zusammen auf Lundy wart. Und warum wir überhaupt nichts mehr von ihr gehört haben …
    Wir wussten gar nicht, dass sie krank war und sind aber sowas von geschockt!
    Wir wünschen dir, liebe Britta, viel Kraft, mit diesem Verlust umzugehen. Auch wenn wir uns nicht persönlich kennen, sind wir uns alle doch nahe …
    Liebe Grüße von Friedel und Steffi

    Gefällt 1 Person

    1. Es war ihr ganz wichtig, mit uns Bloggern ‚mitzuwandern‘, um den grauenhaften Klinikalltag zu vergessen und sich wegzuträumen. Das hat sie motiviert, durchzuhalten und zu kämpfen. Vor der OP, von der alles abhing, haben wir beide London gebucht, um ein Ziel zu schaffen und positiv zu denken. Es war furchtbar, das zu stornieren; wir dachten beide, dass es nur aufgeschoben ist 😞

      Gerade ist alles furchtbar schrecklich und ich vermisse sie ganz arg.

      Zum Glück ist die SWCP-Gruppe bei Facebook genial. John Haughton, dessen Buch über den SWCP sie korrekturgelesen hat, hat einen kurzen Nachruf verfasst. Ein paar Wanderer, die sie letzten Herbst getroffen hat, tragen nun auf ihren nächsten Etappen ihr Bild mit. Die Anteilnahme ist groß und es ist allen wichtig, sie nach Poole zu bringen. Das klingt wohl etwas lächerlich, aber das ist gerade echt ein großer Trost.

      Vielen Dank für eure liebe Nachricht! Wir SIND uns alle nahe….
      Liebe Grüße zurück!

      P.S.: Ich hatte euch am Sonntag über euer Impressum eine Mail geschrieben, dachte mir aber schon, dass die im Spam-Ordner landet.

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  2. Liebe Britta,
    dies ist nun schon der ca. 10. Versuch endlich meinen Kommentar zu posten und ich hoffe, das WordPress endlich mitspielt!!!
    Ich bin sehr froh darüber, dass du diesen Beitrag geschrieben hast und du hast ihn toll geschrieben! Genauso hatte ich Tatjana auch in den wenigen Monaten kennengelernt, die wir intensiver in Kontakt waren: immer positiv, immer voller Energie und Kraft. Dass sie dich auf deinen Reisen so unterstützen konnte und damit selber virtuell auf Reisen gehen konnte, war bestimmt für euch beide wunderbar – trotz der traurigen Umstände.
    Es macht mich total traurig, dass sie ihren Plan, den SWCP ganz zu gehen, nicht umsetzen konnte, sondern das glücklich strahlende Foto in Falmouth, das du oben gepostet hast, ihr Ende auf diesem Weg war. Was mich dann aber ein wenig getröstet hat, war, dass sie zumindest durch das Mitwirken an Johns Buch in Poole angekommen ist.
    Vielleicht gehst du ja auch noch mal bis nach Poole. Ich bin mir nicht ganz sicher, da ich befürchte, dass es mir in vielen Teilen östlich von Plymouth zu belebt ist.
    Rick hat ja schon gepostet, was er vorhat. Sehr liebe Idee.
    Katrin

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    1. Liebe Katrin, jetzt hat es zum Glück geklappt. Danke für den Beitrag😘. Ich bin so froh, dass John es gepostet hat und die Ressonanz so gut war. Das tröstet mich gerade, dass Rick sie mitnimmt. LG Britta

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