Wettwandern?!?

Im vorherigen Blogbeitrag habe ich schon angedeutet, dass diese sogenannten Megamärsche ja eigentlich etwas paradox sind.

Wandern ist eine Freizeitbeschäftigung, bei der man sich in freier Natur bewegen will, eventuell Einsamkeit und Naturerlebnisse sucht. Was fehlt, und vielleicht auch fehlen soll, ist der Wettkampfcharakter.

Doch wer schon mal auf einem vielfrequentierten Wanderweg unterwegs war, weiß, dass es immer Wanderer gibt, die grundsätzlich fragen, wie lang man für gewisse Strecken gebraucht hat. Mit einem zufriedenem Lächeln unterbieten sie dann die angegebene Zeit um Stunden und freuen sich in sich hinein. Ihr persönliches Erfolgserlebnis für diesen Tag.

Und genau für diese Menschen sind die Megamärsche konzepiert: Wettkampfwandern par excellance!

Märsche vs Wandern

Verschiedene Anbieter haben sich etabliert wie z.B. Megamarsch, Mammutmarsch oder Dein Ostseeweg. Als Distanzen wird alles ab 15 km angeboten, aber zu den beliebten Wegen zählen vor allem die zwischen 50 und 100 Kilometern.

Ich habe mich für den Ostseeweg entschieden, weil ich die Gegend hier kennenlernen will und mir die 100km nicht zutraue. Die neue Wohngehend kennenlernen und eine sportliche Herausforderung kombiniert – perfekt!

Ich verstehe jetzt, warum Wanderer sich immer wieder anmelden.

Pluspunkte

– Streckenplanung und -auschilderung: Der Marsch ist perfekt ‚ausgepfeilt‘, da kann man sich nicht verlaufen. Man muss sich auch im Vorfeld um nichts kümmern. Auch mal schön.

– Verpflegung: Es gab drei Verpflegungsststionen, an denen es alles gab, was das Herz begehrt. Rein theoretisch hätte man nichts mitnehmen müssen.

– Herausforderung: Wenn ich einen Wandertag mit knapp 30 Kilometern vor mir habe, dann ist das schon eher ein langer Tag. Auf die Planung einer 50km-Etappe würde ich im Traum nicht kommen. Hier konnte ich ausprobieren, ob ich es schaffe. Das Tolle ist, dass Shuttles angeboten werden, wenn man aussteigen will. Zudem ist eine medizinische Versorgung vor Ort, fährt teilweise sogar mit dem Motorrad die Wandermasse ab. Also beste Bedingungen zum Ausprobieren.

– Motivation: Alle 5km kommt ein Schild, das motiviert. Dazu kommen noch Botschaften, die auf den Boden gesprüht sind. Am Start/Im Ziel gibt es Stände, Musik, einen roten Teppich…super motivierend. Man WILL es einfach schaffen.

– neue Bekanntschaften: Ich habe großartige Menschen getroffen und tolle Gespräche geführt. Genau deswegen nimmt man an so etwas teil, meiner Meinung nach.

Was etwas gewöhnungsbedürftig ist:

– Wandern im Pulk: Wie bei einem Schulwandertag sieht man den ganzen Tag Wanderer vor und hinter sich. Einsamkeit kommt hier nicht auf.

– Vokabular: Es sind Leute dabei, die reden von ‚Stuttgart war heftig, Berlin genial und Hamburg mach ich dieses Jahr bereits zum dritten Mal!‘ Das sind die Wiederholungstäter, die jedes Jahr mehrere dieser Märsche laufen. Als Ersttäter bekommt man viele gutgemeinte Tipps…man ist wohl noch nie gewandert bis man mindestens an einem 50er teilgenommen hat 😉

– Zeitdruck: Wahrscheinlich lag es daran, dass ich zum ersten Mal eine solche Distanz gegangen bin, aber ich habe schon immer einen Blick auf der Uhr gehabt. Ich wusste nicht, wie schnell ich ab Kilometer 40 überhaupt noch laufen kann, deswegen bin ich lieber zügig gelaufen, solange es ging. Zeit für Fotos blieben da nicht. Das nächste Mal weiß ich aber, dass ein paar Fotos durchaus drin sind 😊

Das nächste Mal?

Ja, das wird es geben: Ende April auf Usedom. Da hatte ich mich zuerst angemeldet und erst hinterher gesehen, dass es noch einen Wintermarsch gibt 😁 Leider sind es dort 55 km, also 5 (FÜNF!) Kilometer mehr. 😲😲😲😲

Das wird eine Herausforderung werden.

20 Kommentare zu „Wettwandern?!?

  1. Danke für die Einblicke und Nachgedanken. Mich bestärkt das nur noch mal darin, dass eben dieser Wettbewerbsgedanke das ist, was ich beim Wandern nicht brauche und nicht möchte.
    Meine Baustelle ist es eher zu lernen, dass es keine Schande ist wenn man eine Etappe geplant hat, sie aber nicht schafft oder dass es total ok ist auch mal (geplant) nur 10 km zu gehen auch wenn einen dann alle anderen schief angucken weil man „so gar keinen Ehrgeiz hat“.
    Vielleicht liegt es daran, dass mein Leben durch Konzerte und Auftritte genug Adrenalin freisetzt. Who knows…???
    Bin aber trotzdem gespannt auf deinen Usedom-Marsch im April!!! 🚶‍♀️🏃‍♀️🚶‍♀️🏃‍♀️

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    1. Gerne 😚
      Jeder wandert seinen eigenen Weg nach den eigenen Bedingungen. Ich fand es auch schwer, Pläne umzuwerfen, da es sich irgendwie als Niederlage anfühlt. Aber das ist es gar nicht!!! Es ist schließlich Freizeit, die Spaß machen sollte. Und manchmal weiß man beim Planen ja nicht, dass die Umgebung so toll ist, dass man länger dort verweilen will. Schlimmer wäre es doch, wenn man die Etappe zu Ende hetzt und es dann bereut.
      Aber man kann immer leicht reden….😉😊😶

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  2. Mich hat noch nie jemand gefragt, wie lange ich für eine Strecke gebraucht habe. Ich würde auch nur die Antwort geben „keine Ahnung, ist das wichtig?“. Nun bin ich auch so gar kein konkurrenzbetonter Mensch. Nicht dass ich das ablehne oder verurteile, jeder macht, was ihm Spass macht, ich kann es nur nicht nachempfinden.

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    1. Naja, das passiert mir auch nur auf den Fernwanderwegen. Da wird man abends im Pub gefragt oder auch direkt auf der Strecke von entgegenkommenden Wanderern, wie weit man zum nächsten Ort laufe. Ich frage manchmal auch selbst, um einen Anhaltspunkt zu haben. Das muss nicht unbedingt was mit Konkurrenz zu tun haben. Aber manchmal sieht man es einfach in den Gesichtern 😉

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    1. Liebe Reni, das gilt absolut als Ausrede.
      Allerdings habe ich zwei wandernde Damen ‚belauscht‘, die ihre diesjährigen Marathon-Termine ausgetauscht haben. Die eine sagte: ‚Meinen ersten Marathon bin ich genau an meinem 52.Geburtstag gelaufen. Das ist 14 Jahre her und seitdem laufe ich mindestens 3 pro Jahr!‘ Hm…da reicht es ja, wenn ich in 13 Jahren mit dem Training beginne 😂🤣😂🤣😂🤣😂

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  3. Ich denke, so eine organisierte gemeinsame Weitwanderung ist einfach etwas völlig anderes als eine einsame Tour in der weiten Natur. Wie du geschrieben hast – das Ganze lebt auch von der Gesellschaft der Mitwanderer, die so einen langen Weg mit einem teilen, einen unterhalten und motivieren. Warum nicht? Und wenn man es geschafft hat, kann man gemeinsam feiern! 🙂

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  4. Noch ein Beitrag zur Altersdiskussion: Die Tage habe ich ein Buch von einem älteren Mann gelesen, der die Hälfte vom Pacific Crest Trail in zwei Abschnitten im Alter von 73 bzw. 74 Jahren gelaufen ist. Er ist im Durchschnitt nur 20 Kilometer pro Tag gelaufen, aber konsequent. Hut ab und hoffen wir, dass wir das noch schaffen könnten. Natürlich gibt es (in jedem Alter) gesundheitliche Grenzen, aber in anderen Fällen ist es eine Frage des Willens und der Einstellung. Wenn ich kann, dann laufe ich auch noch mit 70! 🙂

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  5. Liebe Britta,
    schön Dich am Vorabend des Ostseewinterweges kennengelernt zu haben. Es ist unglaublich was uns verbindet: die Leidenschaft des Wandern, Deine alte Heimat und der Ostseeweg.
    Vorfreunde ist die schönste Freude und so gehen wir gemeinsam am 26.04. Abendessen.
    Liebe Grüße von Heike

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