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Ich werde eine Göhre!

Die letzten 12 Monate waren sehr aufregend. Meine Reiserei ging auf Rügen los, dann verschlug es mich in alle möglichen abgelegenen Winkel von Großbritannien, danach noch abgelegener nach Island, es folgten England, Rügen, Schottland, Italien, Rügen, Schweden und Rügen.

Was mach ich als Allgäuerin so oft auf Rügen?

Nun ja, ich hatte ja schon erwähnt, dass ein Umzug ansteht und der ist so groß, dass er uns quer durch Deutschland führt.

Tadaaaaa: Wir ziehen nach Rügen, genauer gesagt ins Mönchsgut nach Göhren 😊

Die ganzen Abstecher nutzten wir für Vorstellungsgespräche, Wohnungssuche und das Umziehen.

Aber jetzt ist alles fix. Arbeitsplatz ist gebongt, die Wohnung ist schon ein wenig eingerichtet und während der nächsten Tage werden die restlichen Möbel hingefahren, aufgebaut und hoffentlich alle Kisten ausgepackt.

Danach gehe ich aufs Amt und bin dann offiziell eine Göhre 😀 (zumindest glaube ich, dass man so die weiblichen Bewohner Göhrens nennt😉).

Wir wollen Meer!

Warum wir uns für diese Insel entschieden haben?

Ganz klar: Bauchgefühl! Im Jahr 2013 haben wir zum ersten Mal unseren Urlaub hier verbracht, dann waren wir nochmal im Herbst hier und in weiteren Urlauben. Jedes Mal konnten wir es nicht erwarten, die Rügenbrücke zu überqueren und das Mönchsgut war zu unserem ‚Home far from home!‘ geworden.

Als dann der ‚Am-Meer-wohnen-will‘-Gedanke aufkam, war es irgendwie klar, dass es Deutschlands größte Insel werden würde (zugegebenermaßen: Nachdem Schottland aufgrund von Arbeits- und Sprachsituation als dauerhafter Wohnort nicht in Frage kommt 😁).

Den Blick vom Balkon kann ich dann jeden Tag genießen:

Und der Strand ist auch nur ein paar Minuten Fußweg entfernt:

Auch wenn es sehr traurig ist, unsere Heimat das Allgäu (mit all seinen lieben, etwas verrückten und schrulligen Bewohnern) zu verlassen, fühlt sich der Neuanfang richtig an und wir freuen uns riesig (bzw. laut dem bFdW ’sind wir gespannt‘), was die Zukunft so bringen mag 😀

Der Blog hier wird weitergehen, schließlich muss die Insel, die Ostseegegend und Schweden (SO NAH!) erwandert werden. Außerdem möchte ich noch zu allen bereisten Ländern und begangenen Wanderwegen ‚feste‘ Beiträge machen, indem ich die Bloginhalte zusammenfasse. Und und und…..!

Vittsjö nach Hause

Die Nacht am See war prima! Die Sonne schien bis 22.30 Uhr und ab 5 Uhr in mein Zelt, wodurch ich es schön warm hatte.

Schon um 7 Uhr habe ich abgebaut und laufe zurück in die Stadt. Der nächste Zug nach Malmö fährt in einer Stunde. Mein Handy-Akku ist auf 11 Prozent, im Zug kann ich zum Glück etwas laden.

Der erste Weg in Malmö führt mich zu einer Steckdose in einem Café. Dort nutze ich das Wifi, um wegen Zug und Übernachtung zu recherchieren. Der Preis für ein Bett im Schlafsaal ist so hoch hier, dass ich gleich heute die Heimfahrt antreten werde.

In Kopenhagen verjuble ich noch meine letzten 50 Dänische Kronen (was genau für einen Latte Macchiato reicht!!!!!).

Dann geht es nach Hause 😀

Härsjö nach Vero….ähhh Vittsjö

….oder so ähnlich!

Wenn ich etwas gelenkiger wäre, hätte ich mir heute in den A…. gebissen!!

Nur 20km standen auf dem Tagesprogramm, nach 8km sollte ich in Vittsjö ankommen. Dort wollte ich Vorräte aufstocken und Wasser auffüllen. Ich habe nur noch 200ml und das ist eh schon zu wenig. Hier im Wald haben die Shelter keine Wasserquellen mehr, deswegen muss ich schauen, wie ich bei der Hitze um die Runden komme.

Gutgelaunt stapfe ich los, folge den orangefarbenen Markierungen. Wie schon die letzten Tage läuft man hauptsächlich Forstwege geradeaus durch den Wald, was absolut öde ist.

Plötzlich wird mir bewusst, dass ich schon ca 1km keine Markierung mehr gesehen habe. Nach einem kurzen Blick auf die Karte, denke ich zu wissen, wie ich den Weg wieder finde.

Tatsächlich erscheint nach 2km wieder der erste Pfeil. Juhu!

Doch dann stehe ich an einer Straße, an der ich laut Karte nicht stehen sollte! Es gibt kein Ortsschild und ich habe absolut keinen Schimmer, wo ich bin.

Eine Haustür steht offen, ich höre Stimmen. Ich rufe ‚Hallo!‘ und ein älterer Herr erscheint. Er riecht extrem nach Alkohol und weiß auch nicht, wo er wohnt. Aber er sagt, ich solle nach links gehen.

An einer Kreuzung hält ein Monteur an und zeigt mir auf dem Navi, wo ich bin. Statt 10km in den Osten bin ich 10km in den Süden gelaufen.

Er deutet die Straße entlang und sagt, dass ich in 5km auf eine Bushaltestelle stoßen werde, da fährt ein Bus nach Vittsjö.

Völlig genervt laufe ich los, Autos rasen vorbei, eins davon schlingert in Schlangenlinien und hält 500m weiter an. Es fährt rückwärts, wobei es die komplette Straßenbreite braucht: der Mann aus dem Haus wollte sicherstellen, dass ich richtig laufe und will mich fahren. Yiieeekk! Ich lehne ab!

Ein deutsches Auto parkt 2km weiter am Straßenrand und ein Paar mit Hunden kommt gerade zurück. Sie beschließen, mich nicht auf der Straße in praller Sonne laufen zu lassen und fahren mich nach Vittsjö.

Nach dem Besuch im Supermarkt laufe ich zum Shelter am See.

Mir wird klar, was das Problem war: in Härsjö kreuzt der ‚Nord-Süd-Leden‘, alle Teile der 5 Skåneleden haben orangefarbene Markierungen! Und so bin ich den falschen Wwg gelaufen. Wie dumm kann man sein????

Ich, völlig genervt, beschließe, am See zu übernachten, denn der nächste Shelter ist wieder im Wald.

Und so sitze ich da und denke, dass ich genug vom Wald habe. Ich will keine Forstwege mehr laufen und den ganzen Tag Bäume ansehen.

Ich bin jetzt 14 Tage gelaufen und es reicht….es ist genug.

Und so beschließe ich, dass das mein letzter Wandertag hier war, genieße den Abend und köpfe zur Feier mein letztes Portionsdöschen mit veganer Nutella 😁

Örkelljunga nach Härsjö

Die Nacht war okay, ich stehe ohne Kopfweh auf und packe zusammen. Die Sonne lacht (mal was Neues 🤣) und um 8 Uhr stehe ich abmarschbereit am Trinkwasserhahn und fülle mich und die Flaschen mit dem kühlen Nass.

Die ersten 10km vergehen wie im Flug und das Shelter am See wäre ein schöner Übernachtungsplatz. Aber es ist noch zu früh am Tag und so ist es eben ein toller Pausenplatz.

Die nächsten 10km gehen auch gut, aber dann meldet sich mein Kopf wieder.

Wie ferngesteuert laufe ich die letzten Kilometer der 30km-Etappe und bin sogar schneller am Shelter als erwartet.

Das Hubba ist schnell aufgestellt, dann Medizin und schlafen. Gegen 23 Uhr schrecke ich hoch, denn 30 Pfadfinder fallen ein und stellen ihre Zelte auf.

Einer von ihnen SCHNARCHT!

Örkelljunga

Gegen 8 Uhr wache ich schweißgebadet auf, die Sonne hat das Zelt auf gefühlte 40 Grad aufgeheizt.

Völlig fertig krieche ich heraus und liege erst mal in den Schatten.

So kann ich nicht weiterlaufen, ich beschließe eine weitere Nacht hier zu bleiben. Ich brauch dringend Schlaf und Erholung.

Gegen 10 Uhr laufe ich ins Dorf und lade alle elektronischen Geräte in einem Cafe auf. Handy und Kindle waren fast leer.

Im Supermarkt erstehe ich Brotzeit und den Nachmittag verbringe ich am See.

URLAUB 😀

Koarp nach…..Örkelljunga

Heute war mein Ziel etwas undefiniert. Ich laufe nun von Trinkwasser zu Trinkwasser, wodurch ich nicht ganz so flexibel bin und die Etappenlängen stark variieren.

Ich laufe zunächst nach Örkelljunga, wo es einen Campingplatz (mit DUSCHE!) gibt. Vor Ort entscheide ich, ob ich hier bleibe oder die 8km zum nächsten Shelter laufe.

Ich komme schlecht in Tritt, mein Kopf meldet sich und so entscheide ich mich für den Campingplatz. Aufgrund ein paar Umwege addieren sich plötzlich unerwartete 5km zu den 23km dazu.

Der Campingplatzbesitzer ist super nett und gewährt mir einen ‚kleines Zelt‘-Rabatt, so zahle ich statt 19 Euro nur 14.

Beim Duschen (HERRLICH! Nach 5 Tagen voller Schweiß und beschränkten Waschmöglichkeiten!) merke ich, dass eine Migräne heranzieht.

Folge: Tabletten, hinlegen und hoffen, dass sie gnädig verläuft.

Die Nacht ist furchtbar, der Kopf hämmert und ich schlafe erst gegen 4 Uhr ein.

Båstard nach Koarp

Ab heute bin ich wieder Alleinwanderin. Diana läuft zum Bahnhof, ich nach Koarp.

Ich habe mir vorgenommen, genauso weiterzulaufen, wie bisher. Ich gönne mir Schattenpausen, lege mich mittags kurz hin und ‚renne‘ nicht zum Etappenziel.

Der erste Anstieg ist steil und knackig, die

Aussicht dafür wunderbar.

Dann geht es über Planken durch den Wald und plötzlich stehe ich hier:

Auf die Verblüffung folgt die Freude über einen Frühstückskaffee.

Durch den Wald geht es weiter, die 29km vergehen wie im Flug. Und so bin ich schon um 16 Uhr am Shelter.

Dort ist ein Vater mit seinem 5-jährigen Sohn, die ein Männerwochenende machen. Sie sind mit dem Fahrrad unterwegs.

Ich schlafe ohne Innenzelt im Shelter, was mir eine kalte Nacht beschert.

Torekov nach Båstad

Von einer Mitübernachterin aus Essen erfahren wir, dass unser Plan hinfällig ist. Obwohl wir wussten, dass der nächste Shelter gerade abgebaut und verlegt wird, wollten wir dort trotzdem nächtigen. Fräulein Essen berichtete uns aber, dass es wohl Ärger mit dem Grundbesitzer gab, weswegen wir da lieber nicht zelten wollen.

Deswegen steht nun unsere bisher längste Etappe auf dem Programm.

Wir laufen zeitig los, gönnen uns Schattenpausen, kalte Getränke in Hovs Haller und genießen die Waldetappen.

Båstad ist wohl gerade der ‚place to be‘ in Schweden, wie ich später erfahren habe. Hier sind wohl auch die Restaurant-Preise die höchsten in ganz Schweden.

Wir liegen in der Nähe des Strandes und beobachten das Treiben: Volleyball, Zirkeltraining auf der Nebenwiese, Aufbau für einen Marathon.

Der Shelter liegt am Stadtrand und an einen steilen Abhang.Schikane nach einem harten Wandertag!

Um 1 Uhr nachts leuchtet ein Mann mit Taschenlampe in den Shelter, ich bin sofort hellwach. Er geht wieder und läuft unterhalb Kreise. Ich stehe auf, gehe hinunter und frage, was er will. Er sucht seine Schlüssel, die er verloren hat. Misstrauisch beobachte ich ihm die folgenden 2(!) Stunden, mit meinem Wanderstock bewaffnet.

Laaaange Nacht!

Gryteskär nach Torekov

Puhh….das ist mal eine heiße Etappe!!!!

Da das Wasser am Shelter grün aus dem Pumpbrunnen kam, lautete die erste Mission: Wasser auffüllen.

Wir laufen in sengender Hitze, die zwischen dem Schild steht, am Meer entlang. Der Vogelgeruch ist extrem und der schöne Blick aufs Meer lenkt nur bedingt ab.

In Torekov angekommen geht es erst zum Supermarkt und dann zum Shelter. Der Strand wäre sehr einladend, aber wir wollen raus aus der Sonne.

Ich habe selten Netz…

…außerdem muss ich den Akku schonen, weil ich beim Zelten keinen Zugang zu einer Steckdose habe. Bisher leistet meine Solar-Powerbank sehr gute Dienste (Danke an den Physiklehrer 😘).

Gestern sind wir in Båstard angekommen, einen Tag früher als wir dachten.

Heute ist meine Schwester abgefahren und ich streuner jetzt alleine von Westküste zur Ostküste. Das faule Strandleben hat jetzt ein Ende, wobei ich auf Badestrände an den Seen hoffe 😉

Ich melde mich, so oft es geht.

Grüße aus Sverige