Shetland – closer than you think

Mit diesem Slogan wirbt Shetland.

Und es stimmt tatsächlich – eigentlich gibt es keinen Grund, es nicht in den Schottland-Roadtrip mitaufzunehmen.

  • Nur einmal schlafen und schon ist man da!

Der Flug von Aberdeen hierher ist nur ein Katzensprung; aber auch für hartnäckige Flugzeugverweigerer wie mich ist es problemlos zu erreichen. In Aberdeen steigt man nach einem Tag Sightseeing einfach in die Nachtfähre.

Und wenn man aufwacht, ist man schon da! Man muss also nicht zwangsläufig einen Reisetag einplanen.

Die 12-stündige Überfahrt ist mit 27£ als Fußgänger vergleichbar billig, ein Bett in der Kabine gibt es ab 22£ aufwärts. Viele liegen aber einfach in der hinteren Bar auf den Sofas oder dem Boden (dort wird nicht ausgeschenkt). 

Man sollte allerdings wissen, dass der Fähre (ähnlich wie der nach Lundy) ein gewisser Ruf voraus geht: Die Wahrscheinlichkeit auf eine ruhige Überfahrt ist zwischen September und Mai verschwindend gering und auch im Sommer kann es schaukeln. Ich bin eigentlich relativ seefest, aber bei der Hinfahrt war ich froh, dass der beste Freund der Welt mir seine ‚Vomex‘-Tabletten überlassen hat. (Die werde ich dann im Januar auch auf die Island-Fähre mitnehmen – deren Ruf ist sogar noch schlimmer!)

  • Ist es noch Schottland oder schon Skandinavien?

Shetland hat ein gespaltenes Verhältnis zu Großbritannien. Die geografiachen Ursprünge des Landes liegen in Island, die soziokulturellen in Skandinavien/Norwegen. Die Wikinger – Tradition wird überall hochgehalten. Auf jedem Ortsschild steht der jeweilige Name auch in Norse und die Bedeutung wird auch genannt. Lerwick heißt beispielsweise ‚Muddy  Bay‘ (Schlammige Bucht).

Das beruht auf Gegenseitigkeit: Wenn man den BBC-Wetterbericht schaut, sieht man das Mainland, die Western Isles, Orkney und die Südspitze von Shetland. Der Rest fehlt einfach! Bisher ist mir das nicht aufgefallen; das ist ‚mobbing‘ 😯

Am liebsten wären die ca. 23.210 Bewohner eigenständig. Aber das liegt wohl in weiter Ferne, die Insel kann sich nicht selbst versorgen. Vor zwei Jahren ist aufgrund von Winterstürmen die Fähre für eine Woche nicht gefahren. Ärgerlich bei der Passagier-Fähre, absoluter Supergau bei der Fracht-Fähre. Die großen Supermärkte hier in Lerwick waren leergefegt. Die Royal Army musste sogar mit Verpflegung einfliegen!!!!
Ich muss sagen, dass ich mich hier eher wie in Skandinavien und Island fühle. In den wenigen Souvenir-Läden findet man weder Dudelsackmusik noch Tartan und Co. (eine gewisse Erholung nach dem Overflow in Edinburgh). Nur Handcraft, regionale Produkte oder Wikinger-Sachen werden den Touristen angeboten. 

  • Die Natur ist atemberaubend

Als Tierbeobachter ist es hier das Paradies. Es gibt Pflanzen, die nur hier wachsen. Und das Meer formte die Landschaft auf beeindruckende Art und Weise. Der Norden Shetlands liegt auf gleicher Höhe wie der Süden Grönlands, allerdings ist das Wetter viel milder, was den Artenreichtum zulässt. Ich werde ganz sicher im Sommer nochmal zum Wandern und Puffin – Schauen kommen. Ganz sicher!!!!!!

  • Das Shetland-folk

Hier paart sich das schottische Gemüt mit nordischer ‚Kühlheit‘, ein ‚cheery‘ Wesen sucht man hier vergebens. Bitte nicht falsch verstehen, die Menschen sind hier überaus freundlich und hilfsbereit! Dennoch sind sie eher abwartend und zurückhaltend. Wenn man beispielsweise einen Laden betritt, wird man begrüßt, es wird gefragt, ob man etwas Spezielles sucht, dann wird man in Ruhe gelassen. Wenn man selbst ein Gespräch beginnt, tauen sie langsam auf und man redet über Gott und die Welt. Auf Unst wurde ich von jedem mit einem Winken begrüßt. Die Dame aus Unst erzählte, dass sie vor 9 Jahren aus Yorkshire hierhergezogen ist. Auf dem Mainland war es schwer für ihre Familie, Anschluss zu finden. Auf Unst sei es leichter, da hier eine RAF-STATION war und die Leute Fremde /Engländer/ Sassenachs gewohnt seien. Emmas Mama ist von Burra, ihr Papa ist aus den Schottischen Borders; nach 38 Jahren Ehe nennen die Leute ihn immer noch nicht beim Vornamen sondern ‚Rosemary ’s husband‘. Emma vermutet, dass sogar niemand weiß, wie er heißt! Um die York – Unst – Dame zu zitieren: ‚It’s easier when you grew up here.‘

  • Gelebte Kultur und Geschichte 

Ähnlich wie in Island ist man stolz auf Kultur und Geschichte, beim Up helly Aa-Fest am letzten Dienstag im Januar laufen die Bewohner als Wikinger in einer Prozession und werden brennende Pfeile auf ein (extra gebautes) Langboot, das dann brennend im Hafen schwimmt. Jeder trägt hier Fair Isle-Muster in Pulli, Mütze, Schal, Handschuhe, Tasche usw. Es wirkt nicht aufgesetzt, es ist hier eben so und gehört dazu.

  • Super Infrastruktur

Hierzu ein kurzes Erlebnis vom ersten Tag. In der Tourist-Info war ein italienisches Pärchen vor mir, die zwei Tage mit Mietwagen planten. Der Mann fragte: ‚Wie sieht es mit Tankstellen aus? In dem Highlands sind wir letzte Woche stehengeblieben, weil das Benzin ausging.‘ Die Antwort der sehr resolute älteren Dame war: ‚WE are here more civilised than the Highlanders!‘ 😊

Das bedeutet, dass es in jeder Siedlung einen Laden gibt, eine Tankstelle, einen Bankautomaten, öffentliche Toiletten und auch ein Schwimmbad (auf allen Inseln gibt es insgesamt sechs Schwimmbäder). Das Kulturzentrum ‚Mareel‘ hat ein tolles und abwechslungsreiches Programm und zwei Kinosäle. Auf die anderen Inseln kommt regelmäßig das ‚rollende Kino‘, ein Laster, der für jeweils eine Woche aktuelle Filme auf abgelegenen Inseln zeigt (auch auf den Hebriden, Orkney usw). Es gibt Theater- und Konzertereihen, auf denen die Künstler durch die Community-Halls tingeln und ihre Aufführung darbieten.

  • Es gibt das beste Cafe der Welt in Lerwick: das Fjara – Cafe

     Dieses Café steht stellvertretend für viele                      Cafes und Restaurants

– Moderne Bauten: Es besitzt eine Glasfront! Man sitzt also im Warmen und kann den Wellen zusehen. Oder den vielen Wasservögeln, die sich hier tummeln. Oder den Robben, die hier regelmäßig vorbeischwimmen und neugierig ihren Kopf aus dem Wasser heben. Wenn man viel Glück hat, sieht man auch Otter und bei wahnsinnig viel Glück auch Orcas. Das ist dann der Moment, wenn auch die Köche aus der Küche ins Café stürmen und staunen, wie mir die Bedienung gerade erzählte. Also wirklich besonders 😉.

– Das Essen hier ist mit regionalen Produkten zubereitet, alles selbstgemacht (sogar das Brot). Gesunde Gerichte stehen auf der Karte. Die Englische Küche ist VIEL besser als ihr Ruf.

– Die Gäste sind gemischt, Einheimische und Touristen (also ich), man fühlt sich sofort wohl. Gerade flirtet ein Shetlander mit mir, ca 80cm groß, Teddy-Ohren-Jacke, der mir mit zahnlosem Lächeln unbedingt seinen Dinosaurier schenken will – Danke😁.

Ich würde sagen, die Gründe überzeugen, dass sich die Reise in den hohen Norden lohnt!😀😊😁

‚www.brittabastelt.com‘

Nachdem meine Seite zu einer ‚Britta erkundet per Auto‚ geworden ist, wird sie nur für den heutigen Tag (versprochen!) zur Handarbeitsecke!  

Ich kämpfe nun seit zwei Tagen mit den Bildern….ich hab aufgegeben….ihr müsst leider ’schief gucken‘.

Was auf den ersten Blick nichts mit den Northern Isles zu tun hat, hat auf den zweiten Blick absolut viel damit zu tun.

Denn sowohl auf Orkney als auch auf Shetland steht das Handcrafting ganz oben auf der Kulturliste!

Diese umwerfende Landschaft hier auf Shetland und die geschichtliche Tradition auf Orkney ziehen Künstler magisch an, sie holen sich hier die Inspiration, die sie brauchen, um so wunderschöne Dinge zu kreieren.

Wie ich schon erwähnte, war für mich als ‚Handarbeitstante‘ der ‚Craft fair‘ mein erstes Ziel hier. Ich bin extra deswegen einen Tag früher angereist, um die Künstler zu erleben und mich mit ihnen zu unterhalten. Denn das war auf Orkney so spannend, dass ich auch hier aus erster Hand erfahren wollte, welche Gedanken hinter den Kunstwerken stecken.

Es ist schwer, eine Rangliste der Kunsthandwerke zu machen, diese Reihenfolge ist beliebig:

  • Juweliere

Dank dem Craft-Trail-Prospekt kann man auf beiden Inseln die Künstler in ihrem Atelier besuchen (bei manchen muss man vorher kurz anrufen und einen Termin ausmachen). Während man ihnen bei der Arbeit zusieht, erklären sie, was sie machen, welches Material sie benutzen und woher sie ihre Ideen haben. Eindeutig sind Wikinger-Motive und keltische Muster eine Quelle.  

Die Schmuckstücke, die entstehen, sind nichts für zarte und edle Damen, sondern für bodenständige und naturverbundene Frauen. Es sind wunderschöne Dinge dabei, die aber auch dementsprechend kosten! 

  • Töpferei

Schon bei dem „wahren Harray Potter‘ auf Orkney war es genial, seine Werkstatt zu durchstöbern. Da war nichts sauber und aufgeräumt, sondern dort wird mit Ton gearbeitet, und das jeden Tag. Es gibt alles mögliche wie Tontiere, Kerzenhalter, Vogelbäder usw. Aber auch ganze Geschirr-Kollektionen, die historisch inspiriert sind: Wikinger, Kelten, Orkney, Antike usw. Sehr spannend, die Unterschiede im direkten Vergleich zu sehen.

Hier auf Shetland war ich aber noch ‚aktiver im Geschehen‘: vor einigen Tagen saß ich vier Stunden lang in einer Pottery und habe verschiedene Dinge bemalt und glasiert. Es hat so einen Spaß gemacht!!!!! Wie schön war es, bei dem Sturm im Warmen zu sitzen und ganz künstlerisch den Pinsel zu schwingen. 

Diese Bilder sind nicht nur schief, sondern auch mit dem Handy vom Fotoapparat abfotografiert, da der Akku des Handys leer war.  Ja, ich weiß, ich bin furchtbar mit technischen Dingen 😯😦😳!

Die Besitzerin und ich haben munter über Gott, die Welt und den Berliner Marathon geplaudert und die Zeit verging wie im Flug. Sie wird nun alles brennen und am Tag meiner Abreise darf ich die Teile abholen: hoffentlich in Metern von Bubble – Wrap eingepackt, nicht dass ich zuhause ‚doppelt‘ so viele Teile habe. 

  • Strickware

Der Export-Schlager Shetlands: das berühmte ‚Fair Isle-Muster‘, das man in jedem Pulli, in Mützen, Stirnbändern, Schals und Handschuhen sieht. Es schaut wahnsinnig kompliziert und aufwändig aus mit den ganzen Farbwechseln. In jedem Museum findet man Steickanleitungen und Video-Turorials.

 Auf dem Craft-fair saßen ältere Damen hinter ihrem Stand und die Wolle floss scheinbar mühelos zwischen ihren Fingern entlang. Hier strickt man übrigens nicht den sogenannten ‚continental style‘, der Lauffaden wird nicht um den Zeigefinger gewickelt. Das macht bei den vielen Farbwechseln auch Sinn! Ich habe mich ausführlich in zwei Wollläden beraten lassen und mich schließlich für zwei Muster entschieden, die ich hier probieren will: einen Schal zum Einarbeiten und ein ‚originales‘ Muster. Das schaut komplett nicht nach Fair Isle aus, aber die Besitzerin des Ladens hat mir versichert, dass es authentisch sei. Wahrscheinlich hat sie mir das ‚So werde ich den Touri los‘-Muster verkauft 😂. Naja, und so kam es, dass ich in Shetland mit Wolle aus Shetland 

 ein Muster aus Shetland, das ‚Puffin‘ heißt, stricke. So sieht es aus:

Erinnert tatsächlich wage an einen Puffin 😀 .

Hier der Versuch, schwierigere Muster nachzuahmen. 

Das Stricken an sich ist gar nicht schwer, die Herausforderung liegt darin, sich nicht in den vielen Fäden zu verheddern oder zu erwürgen!

  • Der Burra – Bär

Den süßen Gesellen habe ich schon im Ladenschaufenster auf der Fähre gesehen. Eine Frau auf Burra näht diese Tierchen aus ‚alten‘ Fair-Isle-Pullis. Sind die nicht goldig? 

  • Webware

Ich hab schon in Orkney bei meiner Shetland-Recherche diese wunderschönen gewebten Muster entdeckt. 

Und noch viel besser: Emma von aamos – Design!  Sie ist ungefähr so alt wie ich (mich fühle – also jünger😉), hat ein kleines Kind und designt in ihrem Atelier auf Burra. Sie bietet Halbtages- und Tageskurse an, und genau so einen hab ich bereits von Orkney aus gebucht! 

Den ganzen Tag habe ich mit Emma am Webstuhl verbracht und es hatte nur ganz wenig mit meinem Webrahmen zu tun, den ich als Kind hatte. Die Technik, die dahintersteckt, ist zum Verzweifeln kompliziert und man braucht die Geduld eines Heiligen (ähm….verzweifeln kann ich schnell, ausdauernd und sehr theatralisch; geduldig sein…nicht😡). Aber dank der Hilfe von Emma, die mit Rat und Tat zur Seite stand, wurde alles prima. Und natürlich ist auch der Laptop involviert. An dem hat Emma die Muster designt und das Programm dann mit dem Webstuhl verbunden: Die Fäden werden automatisch richtig angeordnet. Emma hatte den Schal gestern Abend in Rosa und Grau ‚aufgesetzt‘, was rund eine Stunde dauerte; ich durfte mich heute dransetzen, Farben wählen und loslegen. In den sechs Stunden habe ich 1,5m geschafft. Ganz fehlerfrei ist es nicht geworden, aber für das erste Mal bin ich mehr als zufrieden.

Das Ergebnis:

Liebes Christkind, ich hätte gerne bitte unbedingt einen Webstuhl, denn das Weben macht riesigen Spaß!!!!! 

Und was jetzt wirklich lächerlich klingt: Ich werde morgen (bisschen schon heute 🙈) 1000 prozentig einen Muskelkater haben. Die Pedale gingen nicht so leicht zu bedienen und der Kamm auch nicht…..ich bin halt die letzten Wochen verweichlicht 😯.

Today I don’t feel like…

…doing anything!

Und das ist ein Gefühl, das ich in den vergangenen Wochen gelernt habe zu akzeptieren! Aber das war/ist immer noch schwer für mich.

Normalerweise unternimmt man im Urlaub viel, besucht historische Stätten, Museen, besichtigt Gebäude und bestaunt die Natur. Das ist zumindest, was ich im Urlaub mache. Und in der Vergangenheit habe ich es auch schon mal geschafft, Paris in fünf Tagen anzusehen, Rom in drei (zum Leidwesen so manches Schülers, der sich die Exkursion wie Urlaub vorgestellt hat 😉), Venedig an einem Tag.

Das ist mein Tempo!

Aber wenn man länger unterwegs ist, ist man irgendwann müde – körperlich und geistig. Die Steinkreise schauen plötzlich alle gleich aus, man denkt sich ’schon wieder atemberaubende Wellen, die an die felsig zerklüftete Küste donnern….kenn ich, hab ich die letzten Tage gesehen!‘. Man könnte sich zu jeder Tageszeit sofort hinlegen und schlafen, weil man in den Hostels eben doch nicht so gut wie zuhause schläft (nochmal ein grusliges Spuk-Dankeschön an den LECW-BLOG🙋).

Aber das geht in der knapp bemessenen Urlaubsreisen nicht, sagt der Kopf, wenn man schon mal hier ist….?!?

Doch, das geht! Man kann auch mal einen Tag durchschnaufen! 

Denn mein typisches Urlaubstempo kann ich nicht über vier Monate durchhalten.

Ich stehe nicht mehr jeden Tag um 6.00 Uhr auf, warum auch, wenn die Sonne erst gegen 8.30 aufgeht! Wenn ich um 16 Uhr in der Herberge bin, ist es in Ordnung – es ist draußen dunkel.

Ich werde nichts ‚verpassen‘!

Genau das war es ja auch, was ich wollte. Länger in Schottland sein, ein bisschen in das Leben hier hineinschmecken, länger an einem Ort verweilen….hier sein.

Und das bin ich, ob ich nun unterwegs bin oder einfach Lerwick genieße.

Und es ist in Ordnung und perfekt 😊

Nach dem Aufstehen habe ich meine Kleidung gewaschen und aufgehängt. Daraufhin hab ich das Auto stehengelassen, bin in den Sturm hinausgegangen (immer noch 40mph….ca 65km/h, der Fährverkehr ist heute eingestellt!), in die Fußgängerzone geschlendert und dort habe ich ‚Alltagssachen‘ erledigt: Shampoo und Fußcreme gekauft, zudem noch Karten und einen Stift, ein Kleid anprobiert (leider zu kurz, wie sollte es auch anders sein?), bei der Post nachgefragt, was ein Paket nach Deutschland kostet (geniale Idee, Weihnachtsgeschenke hier zu kaufen!😯) und schließlich am Hafen entlang zum Mareel getapst (oder wie nennt man das, wenn der Wind einen ‚gehen lässt‘?).

Das Kulturzentrum Mareel ist das ‚An Lanntair‘ von Lerwick, in dem modernen und architektonisch umwerfenden Gebäude gibt es zwei Kinosäle, einen Vortragssaal, ein Ticket-Office, einen Laden und ein Café.

Dort saß ich, habe bei einem Soja-Latte Karten geschrieben und dieses Ticket gekauft:

Simon Yates: My mountain

Simon Yates ist ein Extrembergsteiger, der dadurch bekannt geworden ist, dass er auf einem Berg in Peru seinem Kletterpartner Joe Simpson, nachdem der sein Bein gebrochen hatte, vom Berg half, indem er ihn abseilte, dann hinterherkletterte und wieder abseilte, usw.  Das machte er einige Stunden, bis schließlich an einer Stelle das Seil zu kurz war und er selbst drohte, mitabzustürzen. Er traf die schwere Entscheidung, rettete sein eigenes Leben und durchschnitt das Seil. Da er dachte, sein Freund wäre tot, kämpfte er sich alleine ins Basislager, am Ende seiner Kräfte. Wie durch ein Wunder überlebte aber Joe Simpson den Sturz und rutschte drei Tage mehr oder weniger auf seinem Hintern den Berg hinunter, ohne Essen und Trinken, wo er Simon Yates traf, der gerade aufbrach, um endgültig vom Berg hinunterzusteigen. Beide haben überlebt.  Joe Simpson als der, der den Berg hinuntergerutscht ist, Yates als der, der das Seil abgeschnitten hat!

Bisher habe ich nur ein Interview von und über Simpsons gelesen, ich bin gespannt auf die Darstellung von Simon Yates.

Mich interessiert weniger das Thema Bergsteiger, als vielmehr die Psychologie dahinter. Simpson selbst sagt, das Durchtrennen des Seils war die einzig richtige rationale Entscheidung. Nur: Wie kann man dem anderen in die Augen blicken und nicht denken, dass man im Stich gelassen wurde? Wie kann man ihm in die Augen schauen, mit dem Wissen, man hat bewusst die Entscheidung getroffen, ihn (womöglich) zu töten, um sein eigenes Leben zu retten? Man muss dazusagen, dass Yates zu dem Zeitpunkt 21 Jahre alt und Simpson 25 Jahre alt gewesen ist.

Simpson beschreibt sich selbst als depressiv. Ich bin schon sehr gespannt auf den Vortrag, auch wenn ich mich ein bisschen wie ein Voyeur fühle 😐.  Wie wird Yates heute auf der Bühne stehen, wenn er das zum wiederholten Mal erzählt??

Mein Freund hat dazu die richtige Antwort, als wir ‚whats-app’en, bevor ich loslaufe:

‚Bester‘ Platz: Balkon, letzte Reihe, immerhin in der Mitte.

Und los geht’s!

Ein älterer etwas untersetzter Mann betritt die Bühne, startet die Powerpoint-Präsentation und zeigt die ersten Bilder seines Bergsteigerlebens, das nicht sehr vielversprechend in Leicestershire begann denn hier gibt es keine Berge, witzelte Yates. Er macht weitere Witze über seine selbstgenähte Kleidung und erzählt schließlich gleich in den ersten 10 Minuten über die Bergtour mit dem Unfall. Völlig emotionslos sagt er, dass er keine andere Lösung sah. Mit keiner Silbe geht er darauf ein, was in ihm los war.  Er schildert einfach ‚chronologisch‘. Auf Simpsons geht er während der nächsten beiden Stunde nicht mehr ein. Für ihn war das anscheinend keine große Sache und die einzig richtige Entscheidung, da gibt es keinen Diskussionsbedarf!

Schließlich wollte er noch mehr Berge in seinem Leben erklimmen. Und das tat er auch. Nach der Heirat nahm er sogar seine zwei Kinder (10 Monate und 2 Jahre alt) nach Nepal mit, ‚weil sie in dem Alter umsonst fliegen dürfen, warum also nicht?‘ Die westlichen Bergsteiger, die Einwände und Bedenken hatten, nervten ihn und er kann die Sorge um die Kinder nach wie vor nicht nachvollziehen. Es folgen Bilder, die Sherpas mit den Kindern in Körben auf dem Rücken zeigen.

In der Pause zeigen meine Sitznachbarn Mitgefühl und finden die Lage, in der er sich befand, fürchterlich. Auch sie sind überrascht, wie wenig wichtig dieser Vorfall in seinem Vortrag ist. Vielleicht setzen sich Bergsteiger bei der Vorbereitung mit so einer Situation auseinander und wissen, dass eine lebenswichtige Entscheidung getroffen werden könnte? Ob nun am einen oder anderen Ende des Seils!

Nach der Pause beschreibt Yates noch Touren in die Antarktis und nach Grönland. Dorthin hat ihn und sein Kletterpartner ein Pilot geflogen, der zwei Monate vorher eine Bruchlandung hingelegt hat. Er erzählt, dass sein Kletterpartner ihn am Tag dieses Unfalls anrief und zu ihm sagte: Oh dear, I’m going on a trip with a rope – cutter and a plane – crasher!

Das ist es, ein Name, der ihn begleitet, aber man hat nicht das Gefühl, dass ihn das Ereignis verfolgt. Bergsteiger kennen die Gefahr ihres Sports und nehmen sie in Kauf. Sie sind getrieben von dem Willen, Berge zu besteigen und nichts und niemand kann diese Sucht bremsen.

Nachtrag: Gerade gab ich gelesen, dass Yates sagte, Simpsons wäre  „a person he could not relate to“ and that „climbing partners are like work colleagues. Some work colleagues go on to become friends, some become acquaintances and some people you work with – well, you rather wish you didn’t.“

Daytrip nach/auf Unst: Hey hey Wickie, hey Wickie hey….

        ….Zieh fest das Segel a-an!


Heute war ich auf Wikinger-Suche

Und da nur der frühe Vogel den Wikinger fängt, bin ich schon um 6.00 Uhr aufgestanden und ganz in den Norden nach Unst gefahren und geschippert. Dazwischen musste noch die Insel Yell gequert werden…..1,5 Inselquerungen plus zwei Fähren macht 2,5h….einfach. Bei ca 7h Tageslicht lohnt sich da das frühe Aufstehen.

In Unst angekommen (die Bilder sind auf dem Rückweg entstanden)

bin ich gleich in den Norden nach Haroldswick gefahren, um die Insel sozusagen von Norden nach Süden ‚hinzurollen‘. 

Eine feste Tradition ist mein ‚englisches‘ Frühstück geworden, also im Auto mit Meerblick. Der Porridge wurde heute mit Sonnenaufgang und Robbe (jeweils nur der Anblick 😁) serviert.

Danach ging es sofort auf Wikingerjagd:

Auf den ersten Blick war die Rekonstruktion des Wikingerlanghauses unbewacht, aber hier sind die Bewacher:

Eine echte Historikerin gibt sich natürlich nicht mit Rekonstruktionen zufrieden, deswegen habe ich meine Gamaschen angelegt 

und bin zu zwei Langhäusern gewandert….wunderschön an der Küste entlang (eine Wanderung), nicht so wunderschön durch ein Feld mit ‚Bullenwarnung‘:

Neben den Wikinger – Sachen hat Unst natürlich noch viel mehr zu bieten. Zum einen ist hier alles ‚das nördlichste….Großbritanniens‘: das nördlichste Schwimmbad, das nördlichste Post-Office, die nördlichste Schule, usw. Damit geben sich die ‚Unster‘ aber nicht zufrieden. Sie haben die allerschönste Bushaltestelle Großbritanniens, die sogar einen eigenen Wikipedia-Eintrag und eine FB – Seite hat. Vor Jahren wurde die Bushaltestelle vom Wind zerstört und nicht wieder aufgebaut. Ein 7 – jähriger Junge verfasste einen Beschwerdebrief, darauf folgte der Wiederaufbau durch den Staat und schließlich die Dekoration durch die Bevölkerung (angeblich unbekannt, wer das macht!). Jedes Jahr gibt es ein Thema, z.B. Puffins, Nelson Mandela, Jubilee. Dieses Jahr ist es ‚Blumen‘ und die Dekoration ist wunderschön und mit viel Liebe zum Detail.

Dann gibt es noch Ruinen von Kirchen und Burgen

Einen Standing Stone

Einen  Broch

und natürlich die wunderschönste Landschaft der Welt – da diskutiere ich nicht 😁 

Hab ich die Wikinger gefunden? Nicht wirklich, dafür aber den Wikinger in mir:

                   Das ist meine Insel! 

Wetterinfo:
Wie man auf den Bildern sieht, hatte ich bisher riesiges Glück mit dem Wetter! Auf Orkney gab es einen kompletten Regentag, seitdem war es meist freundlich mit ganz wenig Regen/Hagel. Die tiefstehende Sonne sorgt für grandiose teilweise surreal Farben. Der ‚Stimmungskiller‘ ist der eisige Wind, hier auch ‚gale‘ genannt. Im Windstillen in der Sonne ist es angenehm, ansonsten frieren die Finger ab, sobald man seine Handschuhe auszieht! Beim Fotografieren zerrt er am Handy und auch beim Autofahren muss man richtig aufpassen, damit der kleine VW Up nicht von der Straße gefegt wird.

 Aber egal, solange es trocken bleibt, ist alles prima! 

Ach doch….. ja: am Abreisetag wünsche ich mir von 17.00 – 7.00 Uhr nur leichten ‚in den Schlaf-schaukel‘- Wind 😀. Danköööööö!

😁😀😁 Und hier der Text zu eurem Ohrwurm:

Hey hey Wickie hey Wickie hey

Zieh fest das Segel an
Hey hey Wickie die Wikinger
Sind hart am Winde dran

Nananananananaana Wickie

Die Angst vorm Wolf macht ihn nicht froh
Und im Taifun ist’s ebenso
Doch Wölfe hin, Taifune her
Die Lösung fällt ihm gar nicht schwer


Hey hey Wickie hey Wickie hey
Zieh fest das Segel an
Hey hey Wickie die Wickinger
Sind hart am Winde dran

Nananananananaana Wickie

Die Angst vorm Wolf macht ihn nicht froh
Und im Taifun ist’s ebenso
Doch Wölfe hin, Taifune her
Die Lösung fällt ihm gar nicht schwer

Hey hey Wickie hey Wickie hey
Zieh fest das Segel an
Hey hey Wickie die Wickinger
Sind hart am Winde dran

Nananananananaana Wickie
HEY

Welcome in Lerwick/Shetland

Wie schön ist es hier anzukommen……und ENDLICH von der Fähre zu dürfen. Die Überfahrt war gerade so noch in Ordnung, wobei es schon heftig schaukelte. Von 2 bis 4 Uhr hat der Kapitän ein ‚Laufverbot‘ verhängt. Das hätte er nicht tun müssen, es wäre sowieso nicht möglich gewesen! Mit Migräne zu boarden war auch nicht so prickelnd, aber nützt ja nichts 😕. 

Beim ersten Blick auf das Hafenbecken hab ich eine Robbe gesehen, die den Docking-Prozess überwacht hat. Da wusste ich: Alles wird gut 😁.

Lerwick ist wunderschön, eine tolle Stadt! Und nichts ist besser, als sie an einem Sonntagmorgen um 7.30 Uhr bei traumhaften Wetter zu erkunden:

Direkt am Meer hatte auch ein Café geöffnet, das veganes Frühstück anbietet:

Die Aussicht aufs Meer änderte sich minütlich von Sonne

zu Hagel

Nach dem ersten und besten veganen French-Toast, den ich je gegessen habe, bin ich zum Craft Fair gelaufen: wieder ein Weihnachtsgeschenk mehr 😉.

Das war erst der erste von 12 Tagen, die ich hier verbringe. Und ich habe einige tolle Sachen arrangiert. Außerdem soll es hier Wikinger geben. EXCITING!!!!!!!

Shetland – ick freu mir!